Meine vier wichtigen Kirchen

Meine vier wichtigen Kirchen

Pfarrkirche Floß- Das Gotteshaus meiner Kinder- und Jugendzeit

Mein Wohnort, der Weiler Diebersreuth, gehörte zur Pfarrei Floss und zum Schulsprengel Floss. Die Entfernung betrug 5 km. In meiner Kindheit gab es kein Auto, also musste alles zu Fuß bewältigt werden. Noch vor Eintritt in die Grundschule durfte ich meinem Bruder und meinem Vater sonntags mit in die Kirche gehen, also 5 km zu Fuß hin und 5 km zu Fuß nach Hause. Es war jeden Sonntag das gleiche: meine Mutter und meine Schwestern gingen um 8:00 Uhr in die Frühmesse, mein Vater und mein Bruder und ich gingen um 10:00 Uhr in das Hochamt Ich kann mich nicht erinnern, dass dieser Weg Sommer wie Winter jemals ein Problem für mich gewesen wäre. Ich konnte es nicht erwarten, mit in die Kirche gehen zu dürfen, weil das immer ein Highlight war. Der Grund war ein doppelter: zum einen der große weite hohe Kirchenraum. Der das Gefühl von Größe und Weite, von Herrlichkeit und Besonderheit, einfach eine Rituale Erhebung aus dem Alltag war immer da. Noch dazu wurde ich wohl in frühester Kindheit gelehrt, dass man in diesem herrlichen Raum Gott finden kann. Es war immer ein Raum in dem ich mich wohl fühlte. Besonders beeindruckend und erfüllend war, dass im sonntäglichen Hochamt immer der Kirchenchor sang (und der war gut) und das immer Weihrauch in der Liturgie verwendet wurde. Ein feierlicher Duft, den ich bis heute liebe. Besonders die Hochfeste wie Weihnachten, die Kartage und Ostern waren in meinen Kinderaugen und in meiner durchaus kritischen Schülerzeit tief prägende „Schauspiele“, tiefe Glaubenserfahrungen.

Pfarrkirche Hl. Geist Regensburg – Kirche meiner Studienzeit und Hochzeitskirche

1970 begann ich mein Theologiestudium in Regensburg. Nachdem ich bereits in der elften Klasse dem Direktor des Bischöflichen Knabenseminars (Heinrich Hiebl) meinem Gewissen folgend mitgeteilt habe, dass ich nie den Priesterberuf ergreifen werde, nahm er mir nach dem Abitur das Versprechen ab, zum Eigentest das erste Semester in das Klerikalseminar in Regensburg einzutreten. Ich habe das Versprechen eingelöst. Beim Betreten dieses Hauses fasste ich den Entschluss, möglichst im zweiten Semester dieses Haus wieder zu verlassen. Ich nahm mir eine Studentenbude, die zur neu gegründeten Pfarrei Heilig Geist in Regensburg gehörte. Der damalige Pfarrer war der Kaplan, der mich in Foss zur Erstkommunion brachte. Ich hatte immer noch eine gute Beziehung zu ihm, weil er ein sehr feiner Mensch war. Es wurde eine neue Kirche erbaut. Ich durfte immer wieder bei Gesprächen des Pfarrers mit dem Architekten und und dem Künstler dabei sein. Es war toll. Ich durfte die Einweihung miterleben. Es wurde eine moderne Kirche, hoch, weit, erhebend und durch die imposante Fenstergestaltung ein für mich mystischer Raum. Wieder durfte ich in einer Kirche sein, in der ich mich wohl fühlte und im Grunde die gleichen Erfahrungen machen durfte, wie meiner Kindheitskirche in Floss. Nachdem meine Freundin Edeltraud zu dieser Pfarrei gehörte und in der Pfarrjugend aktiv war, hat sich sehr schnell das Ritual ergeben, dass wir beide jeden Sonntag in dieser Kirche waren. Natürlich wurde es unsere Hochzeitskirche und unser erster Sohn Ulrich wurde in dieser Kirche getauft.

Kurkirche “ Christus unser Heil“ Bad Gögging – meine erste erbaute Kirche

Als ich 1988 von Generalvikar Fritz Morgenschweis mit der Kurseelsorge in Bad Abach und Bad Gögging beauftragt wurde, fand ich im neuen Kurzentrum mit einer bestehenden und geplanten Reha-Klinik und vielen Gästezimmern nichts vor, um den Patienten und Kurgästen Gottesdienste anbieten zu können. Dankenswerterweise hat mir die Klinik immer für Donnerstagabend und Sonntag in Vortragsraum angeboten, Gottesdienste zu feiern. Allerdings musste ich immer den Raum erst gottesdienstmäßig herrichten und hernach wieder abbauen. Ich ging zum damaligen Pfarrer Georg Deininger und wir besprachen die Situation. Ich mache ihm den Vorschlag, neben der Klinik eine Kurkirche zu errichten. Er war diesem Gedanken für aufgeschlossen. Dann fuhren er und ich zum Generalvikar Fritz Morgenschweis nach Regensburg und trugen ihm unser Anliegen vor. Nach anfänglicher Verwunderung darüber, „was diese beiden verrückten vorhaben“, fand er den Gedanken sehr gut und leitete innerhalb der Diözese die notwendigen Schritte ein. Der Geschäftsführer des Kurzweckverbandes Bad Gögging, Erich Griebl, ein langjähriger vertrauter Mann von Pfarrer Georg Deininger, organisierte zusammen mit Bezirkstagspräsident und Vorsitzender des Kurzweckverbandes Sebastian Schenk sowie mit dem Bürgermeister von Neustadt an der Donau Hans Gigl das notwendige Grundstück und übereignete Pfarrei Bad Gögging. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Ich organisierte mit dem schriftlichen Baureferat einen Architektenwettbewerb, an dem sich 36 Architekturbüros Beteiligten. Sieger des Wettbewerbs war der junge Architekt Peter Rosmy aus München. Es war eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen Peter Rosmy und mir. Es wurde ein Kirchenraum, der in seiner Schlichtheit wieder ein Gotteshaus zum Wohlfühlen wurde. Ein besonderes Highlight war, dass ich zusammen mit dem Schnitzer Josef Romario aus St. Ulrich in Südtirol eine vollkommen neue Schutzmantel Madonna anstoßen konnte.

Pfarrkirche Irlbach – meine zweite erbaute Kirche

1974 zog ich noch als Student nach Fussenberg, zugehörig zur Pfarrei Irlbach in der Oberpfalz. Eine kleine Dorfkirche, die „etwas an sich“ hatte, jedenfalls hat sich meine Frau nach unserer Hochzeit ist eine Kirche bestens wohlgefühlt und auch in der Gemeinschaft der Gläubigen. Also meine neue Pfarrkirche. Pfarrer Hans Strunz wurde 1981 der neue Pfarrer. Wir hatten bereits in meiner Schüler viel miteinander zu tun. So diskutierten wir oft den baulichen Zustand der Irlbach Kirche. Statiker warten schon länger vor der Einsturzgefährdung wegen bis maroden Dachstuhls. Ein Gutachten brachte auch viele Risse im Mauerwerk ans Licht. Strunz überlegte einen Neubau einer Kirche mit Pfarrzentrum oberhalb des Friedhofs. Damals hatte ich gerade den Architektenwettbewerb von Bad Gögging und ich brachte ihm 14 Modelle aus diesem Wettbewerb mit, um zu sichten ob darunter ein Architekt wäre, der als Planer für eine neue Kirche infrage kommen können. Leider kann man das Grundstück nicht und so blieb zunächst alles beim alten. Als ich 1998 als Personalreferent in der Pfarrei kam stand also das alte Problem der maroden Kirche wieder auf der Tagesordnung. Mit meiner Kirchenbauerfahrung von Bad Gögging verfestigte sich in meinem Kopf sehr schnell der Gedanke: das Langhaus der alten Kirche abbrechen und einen neuen Kirchenraum erstellen. Die konnte Pfarrer Irlbacher und die damalige Kirchenverwaltung überzeugen, dass aus baulichen und finanziellen Gründen ein Neubau die einzig gute Lösung ist. Gespräche mit den Baureferat der Diözese führten schließlich zum Erfolg und ein Neubau wurde genehmigt. Ich plädierte für einen kleinen Wettbewerb. Der Baudirektor lehnte dies ab und beauftragte Architekt Erich Zankl mit dem Bauvorhaben. Es folgten viele, viele Gespräche. Irgendwann präsentierte der Architekt einen Entwurf, der die Kapelle von dem Studienseminar Westminster hatte. In der Zwischenzeit machte ich mir viele Gedanken über die Gestalt dieser neuen Kirche und entwickelte eigene Vorstellungen. Für eine Sitzung Kirchenverwaltung, für die der Architekt endlich Skizzen bringen soll, erstellte ich zu Hause von Freitagabend bis Montagabend zwei Modelle im Maßstab eins zu 100 – ein Modell nach den Vorstellungen des Architekten und ein Modell nach meinen Vorstellungen. Die Gremien der Pfarrei Irlbach haben sich dann für mein Modell entschieden.
Was aus meinem Kopf und meiner Seele hervor ging, war eine Kirche: hoch, weit, einladend zum Wohlfühlen. Ich glaube, es ist gelungen. Die Gläubigen fühlen sich sehr wohl in dieser Kirche – natürlich auch ich.